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Boris Becker – vom Weltstar zum Verurteilten

Boris Becker, der einst umjubelte deutsche Weltstar des Tennis, blickt auf ein bewegendes Leben zurück. In seiner aktiven Laufbahn galt er als hervorragender Serve-and-Volley-Spieler, der bei seinen Gegnern gefürchtet war. Danach machte er zunehmend durch turbulente Ehen, Skandale und Pleiten auf sich aufmerksam.

Zuletzt jedoch stand er aufgrund seines Gerichtsprozesses in London im Fokus. Er hat laut Gericht einige seiner Vermögenswerte beim Insolvenzverfahren verschleiert und wurde deswegen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das ist damit der spektakuläre Tiefpunkt einer großen Sportkarriere, die wir hier noch einmal Revue passieren lassen wollen.

Tennis lag Boris Becker bereits früh in den Genen

Das Talent für Tennis wurde bei Boris Becker sehr früh erkannt und gefördert. Der in 1967 geborene Heidelberger begann bereits im Kindergartenalter damit, Tennis zu spielen. Die ersten Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten, so gewann er zwischen 1982 und 1984 drei Mal den Titel als Meister der Junioren in Deutschland. Das sollte jedoch nur der Anfang einer später großartigen Karriere sein.

Zu dieser Zeit konnte sich Becker auch bereits in der Top 100 der Weltrangliste platzieren. Auch aufgrund dieses Erfolgs und seiner Begabung beendete Becker seine Schullaufbahn mit der Mittleren Reife, um sich ganz dem Tennis zu widmen. Später in 1984, erreichte er dann seinen ersten großen internationalen Erfolg: Er spielte sich bis ins Viertelfinale der Australien Open in Melbourne vor, als Platz 65 der Weltrangliste.

Boris Becker, 17 Jahre jung, gewinnt das Wimbledon-Turnier

Der endgültige Durchbruch gelang ihm dann 1985, als er im jungen Alter von nur 17 Jahren das legendäre Rasenturnier Wimbledon gewann. Damit ist er bis heute der jüngste Spieler, dem jemals ein Sieg des Turniers gelang. Dieser Sieg löste in Deutschland auch eine Tennis-Euphorie aus, die dazu führte, dass Beckers Spiele im Live-TV mitunter höchste Quoten erreichten.

In den folgenden Jahren erzielte er weitere Erfolge beim Tennis, darunter insgesamt 6 Grand-Slam-Siege, 3 Mal die ATP-Weltmeisterschaft und Olympisches Gold im Doppel mit Michael Stich. Er gewann zudem 4 Mal die Auszeichnung zu Deutschlands Sportler des Jahres und 2 Mal die von Europa. Alleine das Preisgeld für all seine Siege belief sich dabei auf mehr als 25 Millionen US-Dollar. Im Juni 1999 beendete Becker schließlich seine aktive Laufbahn als Tennisspieler.

Erste Ehe, erste Kinder, erster Skandal und teure Scheidung

Noch bevor Becker seine Tenniskarriere an den Nagel hängte, heiratete er 1993 zum ersten Mal seine damalige Verlobte. Aus der Ehe zwischen Boris und Barbara Becker folgten zwei Söhne, Noah und Elias. Im Dezember 2000 gab das Paar dann offiziell die Trennung bekannt und die Scheidung erfolgte kurze Zeit später im Januar 2001. Barbara erhielt ca. 15 Millionen Euro als Abfindungszahlung.

Zeitgleich kam auch der erste große Skandal von Boris Becker ans Tageslicht. Das als „Sex in der Besenkammer“ und „Samen-Raub“ betitelte Verhältnis mit dem britischen Model Angela Ermakowa wurde in den Medien heiß diskutiert. Nach dem Oralverkehr soll Ermakowa den Samen Beckers genutzt haben, um sich ohne seine Zustimmung künstlich befruchten zu lassen. Dem Gericht war das jedoch egal, so musste Becker 6 Millionen Euro und monatlichen Unterhalt seit 2001 für sein drittes Kind, Anna Ermakowa, zahlen.

Erfolglose Geschäfte und Steuerhinterziehung in 2002

Boris Becker war kurz darauf mit verschiedenen Firmen im Sport-Marketing aktiv. Zudem stieg er als Gesellschafter bei Völkel ein, einem Hersteller für Sportartikel. Seine Internet-Plattform für Sport ging noch vor dem geplanten Börsengang pleite. Aber Becker war auch zu gemeinnützigen Zwecken aktiv, wie zum Beispiel als Vorsitz des Kuratoriums der Laureus Stiftung Deutschland.

In 2002 wurde er dann in München wegen Hinterziehung von Steuern zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Becker seinen Wohnort falsch angegeben hat, um so der Steuerpflicht in Deutschland zu entkommen. Als Geldstrafe musste Becker zudem 300.000 Euro zahlen sowie weitere 200.000 Euro an karitative Einrichtungen überweisen.

Biografie, Tennis Hall of Fame und Fernseh-Flop bei DSF

Im Jahr 2003 zog Becker zunächst in die Schweiz um, ehe er seine Biografie mit dem Titel „Augenblick verweile doch“ vorstellte. Kurz darauf nahm man ihn dann als ersten deutschen Tennisspieler in die Hall of Fame auf. Später folgten ihm noch Steffi Graf und Michael Stich, die man ebenfalls in die Hall of Fame aufnahm.

Ab Anfang 2004 moderierte Becker dann die wöchentliche Talk-Show „Becker 1:1“ auf DSF im Free-TV. Jede Woche sollte er für 45 Minuten andere Sport-Größen interviewen und hatte dabei unter anderem Franz Beckenbauer und Ottmar Hitzfeld vor der Kamera. Doch nach nur 15 Sendungen hat man die Show aufgrund schwacher Quoten wieder abgesetzt.

Boris Becker & Lilly Becker heiraten und haben Amadeus

Am 12. Juni 2009 heiratete Boris Becker die heutige Lilly Becker, mit der er bereits 2007 kurzzeitig liiert war. Aus dieser Ehe ging 2010 auch der dritte Sohn Beckers, Amadeus Becker, hervor. Damit hat er nun insgesamt 4 Kinder mit 3 verschiedenen Frauen. Die Ehe mit Lilly Becker hielt für Beckers Verhältnisse relativ lange und man trennte sich fast 10 Jahre nach der Heirat, und zwar im Mai 2018.

Zwischenzeitlich versuchte sich Becker von 2007 bis 2013 als Poker Spieler, auch weil er als Werbeträger von PokerStars auftrat. Bei verschiedenen Turnieren gewann er insgesamt über 100.000 US-Dollar, was aber Peanuts sind verglichen zu den Gewinnen aus seiner Tenniskarriere. Später war er dann noch Botschafter für partypoker, einer anderen Online-Plattform für Poker.

Beckers Comeback im Tennis als Djokovics Trainer

In 2013 meldete sich Boris Becker dann mit einem Paukenschlag in der Tenniswelt zurück. Er wurde Trainer vom Ersten der Weltrangliste, Novak Djokovic. Es folgten einige sehr erfolgreiche Jahre und Djokovic konnte mit Becker als Trainer viele weitere Siege erringen. Insgesamt sicherte sich das Duo 25 weitere Titel, darunter 7 Grand-Slam-Siege. Das sind mehr, als Becker in seiner ganzen aktiven Karriere gewinnen konnte.

In dieser Zeit schafft es Becker auch, wieder mit Tennis von sich Reden zu machen. Zuvor hörte man überwiegend nur noch von seinen Pleiten, Ehen und Skandalen. Nach drei erfolgreichen Jahren im Tennis mit Djokovic haben sich dann Trainer und Spieler wieder getrennt. Becker könne körperlich nicht mehr mit dem hohen Tempo der Tour mithalten, so der offizielle Grund.

Boris Becker ist bis heute Kommentator auf Eurosport

Man mag es kaum glauben, aber Boris Becker hat auch Erfolge abseits des Tennisplatzes vorzuweisen. So sein Engagement als Kommentator und Tennis-Experte auf Eurosport. Nach seinem Ende als Trainer von Djokovic fungiert er bis heute als Co-Kommentator von Matthias Stach und kann dabei durchaus mit fundiertem Wissen und Charisma überzeugen.

Sein erster Vertrag mit Eurosport lief von 2017 bis 2020, wurde dann aber bis 2023 verlängert. Das zeigt, wie sehr der Sportsender Becker als Kommentator und Experten schätzt. Seit 2021 ist Boris Becker zudem mit Lilian de Carvalho Monteiro liiert, doch mit der Hochzeit muss er wahrscheinlich noch warten. Denn Boris Becker wurde jüngst zu Haft im Gefängnis verurteilt.

Boris Becker ist insolvent und muss ins Gefängnis

Zur gleichen Zeit wie seine Arbeit bei Eurosport fällt auch das Insolvenzverfahren, das ab 2017 in London gegen ihn geführt wurde. Er soll seinem damaligen Partner Hans-Dieter Cleven rund 37 Millionen Euro schulden, die Becker nicht begleichen könne. Deswegen strengte dieser ein Verfahren in der Schweiz, aber auch in England gegen ihn an. Becker stritt ab, pleite zu sein und sagte, dass Cleven ihm das Geld schulde.

Das Gericht in London erkannte jedoch Becker als insolvent an und leitete das Verfahren gegen ihn ein. Bei diesem soll er dann nach seiner Bankrotterklärung Geld, Immobilien und Aktien verschleiert haben. Daraufhin sprach man ihn in vier der 24 Anklagepunkte schuldig und verurteilte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft, die sofort anzutreten sind. Becker sitzt seit Ende April 2022 im Gefängnis.

Boris Becker könnte nach 10 Monaten wieder frei sein

Obwohl die Strafe auf 2,5 Jahre angesetzt ist, könnte Boris Becker jedoch nach 10 Monaten bereits wieder frei kommen. Den Rest der Strafe müsste er dann mit dem Tragen einer elektronischen Fußfessel verbringen. Das ist natürlich nur unter der Annahme, dass Becker sich durch gute Führung auszeichnet.

Im Moment ist Becker im HMP Wandsworth untergebracht, das als eines der härtesten Gefängnisse der Insel gilt. Dort soll er sich ein kleines 6 qm Zimmer mit einem Insassen teilen. Doch aufgrund seiner Strafe, die nicht gewalttätiger Natur war, könnte er bald in ein anderes Gefängnis verlegt werden. Obwohl Boris Becker und Oliver Pocher nicht für ihr bestes Verhältnis bekannt sind, drückte in diesem Fall sogar der Comedian Becker und seiner Familie sein Mitgefühl aus.

Wie geht es weiter mit Boris Becker und seiner Karriere?

Im besten Fall kann Boris Becker sich also nach 10 Monaten in London frei bewegen. Bis er das Land verlassen darf, wird es wahrscheinlich noch etwas länger dauern. Derzeit hat er noch einen laufenden Vertrag als Kommentator und Experte bei Eurosport. Im Moment sind noch keine Nachrichten bekannt, wie das Engagement beim Sportsender weiter geht.

Wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass der Sender den Vertrag aussetzt oder kündigt. Becker kann nämlich auf unabsehbare Zeit nicht seiner Arbeit nachgehen. Der Sender hat auch keine Möglichkeit, mit einer zeitigen Rückkehr zu planen, denn eine frühzeitige Entlassung ist nicht garantiert. Deswegen müssen wir davon ausgehen, Boris Becker vorerst zum letzten Mal auf Eurosport gesehen zu haben.

Wir wünschen Boris dennoch alles Gute und hoffen, er kann möglichst schnell das Gefängnis wieder verlassen.